Tuning · Vertikaler Pfeilabgang · Nockbett

Nockpunkt einstellen: Höhe messen, sicher binden und abstimmen

Der Nockpunkt bestimmt, wo die Pfeilnocke auf der Mittelwicklung sitzt. Entscheidend sind nicht nur seine Höhe, sondern auch passende Nocke und Mittelwicklung, ein spannungsfreies Nockbett und ein Nockpunkt beziehungsweise D-Loop, der unter Belastung nicht wandert. Startwerte sind nur Ausgangspunkte; die Endlage wird mit wiederholbaren Gruppen, Pfeilfreiheit und dem zum Bogensystem passenden Verfahren bestätigt.

Messwert
klar benannte Kante relativ zur rechtwinkligen Bezugslinie
Prüfung
Gruppen statt Einzelpfeil; immer nur eine Variable ändern
Stopp
bei Schaden, Nockklemme, wandernden Knoten oder unklarem Compound-Setup

01 · Bezug und Messwert

Ein Wert ist nur brauchbar, wenn Kante, Bezug und Werkzeug dokumentiert sind

Ein Bogenmaß wird an der Mittelwicklung befestigt und am definierten Auflagenbezug angelegt. „Über rechtwinklig“ beschreibt die senkrechte Bezugslinie zwischen Sehne und Pfeilauflage – nicht automatisch dieselbe Skalenanzeige bei jedem Bogenmaß. Notiert wird deshalb immer, ob die Oberkante des unteren Nockpunkts, die Unterkante des oberen Nockpunkts oder die Mitte des Compound-Nockbetts gemessen wurde.

Zum Protokoll gehören Bogenart, Händigkeit, Nockmodell, Mittelwicklungsdurchmesser, Auflagenhöhe, Standhöhe und Tiller. Beim Blankbogen kommt der verwendete Crawl hinzu; beim Compound außerdem Resthöhe, Abstand der gebundenen Nocksets, D-Loop-Länge sowie Cam-/Nockweg-Status. Die vertikale Korrekturrichtung wird bei Rechts- und Linkshand nicht gespiegelt: Liegt der Rohschaft über der befiederten Gruppe, wird der Nockpunkt als Test angehoben; liegt er darunter, wird er abgesenkt. Gespiegelt werden nur seitliche, nicht vertikale Aussagen.

02 · Geltungsbereich

Recurve, Blankbogen und Compound benötigen getrennte Start- und Prüfregeln

Olympischer RecurveGebundene Begrenzung oder systemspezifischer Kunststoff-Nockpunkt; Höhe mit Bogenmaß setzen und anschließend über Rohschaftgruppe, befiederte Gruppe und Pfeilfreiheit prüfen. Kein pauschaler Endwert ersetzt den Test.
Blankbogen mit StringwalkingDie wechselnde Fingerposition verändert den Sehnenwinkel. Das FITA/World-Archery-Handbuch nennt die Oberkante des unteren Nockpunkts 5–6 mm über rechtwinklig ausdrücklich nur als Startwert für das Tuning mit mittlerem Crawl; die Endlage ist ein getesteter Kompromiss über die tatsächlich genutzten Crawls.
Compound mit ReleaseDie Nocke liegt zwischen zwei gebundenen Nocksets im D-Loop. Resthöhe, D-Loop, Release-Anbindung, Cam-Synchronisation, Nockweg und Pfeilfreiheit bilden ein System. Ein vertikaler Papierriss darf keinen Timing- oder Kontaktfehler verdecken.

03 · Startfreigabe

Erst Passung und Mechanik sichern, dann eine Höhe markieren

  • Mittelwicklung rundum auf Abrieb, Einschnürung, lose Windungen und beschädigte Sehnenfasern prüfen;
  • mehrere baugleiche Nocken kontrollieren: sicherer Halt ohne übermäßige Lösekraft oder seitliches Kippeln;
  • Pfeilauflage, Button beziehungsweise Launcher in der dokumentierten Grundposition befestigen und Freigang prüfen;
  • beim Recurve Standhöhe und Tiller, beim Blankbogen den Test-Crawl und beim Compound Cam-Synchronisation sowie Restaktivierung stabilisieren;
  • Ausgangsposition mit feinem abwischbarem Strich und Foto sichern; Messkante, Skalenwert und Bogenmaßtyp notieren;
  • geeignetes Servingmaterial verwenden. Ein Fadenende nur kontrolliert und mit Abstand zur belasteten Sehne verschmelzen; niemals Flamme an Sehnenfasern, Kabel oder eingebautes Zubehör halten.
Messung und Nockbett – drei getrennte Sachverhalte
Schematische Nockpunktmessung für Fingerbogen und CompoundLinks zeigt eine senkrechte Sehne mit rechtwinkliger Bezugslinie und markierter Messkante oberhalb der Linie. In der Mitte sitzt eine Pfeilnocke mit kleinem freien Spiel zwischen oberem und unterem gebundenem Nockpunkt. Rechts umschließt ein D-Loop zwei gebundene Nocksets; Pfeile weisen darauf hin, dass das Nockbett im Vollauszug nicht klemmen darf. Jede Darstellung ist zusätzlich beschriftet.Messkante90°-BezugHöhe messengebundene BegrenzungenNockspiel erhaltenD-Loopkein Nock-PinchMesskante benennen · Nockbett frei halten · Zustand unter Belastung fachgerecht prüfen

04 · Reproduzierbarer Ablauf

Markieren, sicher binden, belasten und erst danach ausschießen

  1. 1Nullpunkt herstellen. Bogenmaß immer gleich anclipsen und auf demselben Auflagenbezug ablegen. Die gewählte Messkante markieren und fotografieren.
  2. 2Systemstart setzen. Einen Wert aus der konkreten Herstelleranleitung verwenden. Fehlt er, eine bewährte Werkstattbasis wählen. Die Oberkante des unteren Nockpunkts 5–6 mm über rechtwinklig gilt im World-Archery-Handbuch nur für dessen Blankbogen-Stringwalking-Verfahren mit mittlerem Crawl.
  3. 3Begrenzungen binden. Geeignetes Garn gleichmäßig und so fest binden, dass nichts wandert, ohne Mittelwicklung oder Bauteil zu quetschen. Bei zwei Begrenzungen bewusst freies Nockspiel lassen.
  4. 4Compound-Nockbett prüfen. Oberes und unteres Nockset sowie D-Loop sicher und gerade setzen. Die Veränderung des Sehnenwinkels unter Auszug nur mit sicherer Schussrichtung beziehungsweise auf geeignetem Drawboard prüfen. Hebt die Nocke den Pfeil von der Auflage, ist das Nockbett zu eng oder die Geometrie ungeklärt.
  5. 5Mechanische Kontrolle. Mehrfach ein- und ausnocken, Markierungen vergleichen und den Knotenhalt prüfen. Die Nocke darf nicht festgeklemmt, seitlich verspannt oder lose sein.
  6. 6Erste Gruppen schießen. Drei bis sechs befiederte Referenzpfeile schießen, Pfeilfreiheit und Auflagenfunktion kontrollieren und erst bei stabiler Gruppe den passenden Test ergänzen.
  7. 7Vertikal abstimmen. Recurve/Blankbogen mit mehreren Rohschäften und befiederten Pfeilen prüfen. Compound zunächst mit Herstellerverfahren, Papierbild, Resthöhe, Cam-Synchronisation und Clearance abgleichen.
  8. 8Nur eine kleine Änderung. Höhe in einem messbaren Schritt ändern, erneut binden beziehungsweise sichern und die komplette Prüffolge wiederholen. Ohne reproduzierbare Verbesserung zur Ausgangsmarke zurückkehren.

05 · Befunde trennen

Vertikale Trefferlage zeigt eine Richtung – aber noch nicht immer die Ursache

Die Easton-Richtung für Rohschaftgruppen gilt vertikal für beide Händigkeiten. Kontakt, Technik und Systemmechanik können denselben Befund erzeugen und werden deshalb vor jeder Korrektur ausgeschlossen.

Diagnose nach wiederholten Gruppen, nicht nach einem Einzelpfeil
Beobachtung Zuerst prüfen Mögliche Bedeutung Begrenzte Teständerung Bestätigung
Rohschaft über Gruppe Clearance, Auflagenhöhe, gleiche Pfeile Nockpunkt typischerweise zu niedrig Nockpunkt klein anheben mehrere Rohschäfte erneut gruppieren
Rohschaft unter Gruppe Clearance, Auflagenhöhe, gleiche Pfeile Nockpunkt typischerweise zu hoch Nockpunkt klein absenken mehrere Rohschäfte erneut gruppieren
Nocke hebt von Auflage ab Nockspiel in Ruhe und unter Auszug Nock-Pinch oder ungeeignete Nockbettgeometrie Nocksets/D-Loop fachgerecht neu setzen gesicherte Belastungsprüfung ohne Klemme
Vertikaler Papierriss bleibt Cam-Timing, Nockweg, Resthöhe, Launcher, Kontakt Nockpunkthöhe ist nicht eindeutig die Ursache Grundzustand wiederherstellen; Systemfehler trennen Herstellerverfahren plus Gruppenprüfung

06 · Systemgerechte Grenzen

Die gleiche Beobachtung führt nicht bei jedem Bogensystem zur gleichen Arbeit

Recurve

Änderung
Nockpunkt nur in kleinen, messbaren Höhenschritten versetzen. Button, Tiller oder Standhöhe während derselben Vergleichsserie nicht gleichzeitig verändern.
Grenze
Ein leicht tiefer liegender Rohschaft kann nach Easton mit einem guten Tune vereinbar sein. Ziel ist keine erzwungene mathematische Deckung, sondern stabile Gruppen ohne Kontakt.

Blankbogen

Änderung
Zuerst mit mittlerem dokumentiertem Crawl abstimmen, danach kurze und tiefe Praxis-Crawls getrennt kontrollieren.
Grenze
Stringwalking verändert die Geometrie. Ein Wert, der auf einer Distanz perfekt wirkt, kann über die gesamte Crawltabelle schlechter sein.

Compound

Änderung
Nur gebundene Nocksets und D-Loop innerhalb des modellbezogenen Setups versetzen; anschließend Nock-Pinch, Resthöhe, Timing und Clearance erneut prüfen.
Grenze
Keine Cam-, Kabel-, Spacer- oder Pressenarbeit aus einem einzelnen Papierriss ableiten. Hoyt verlangt an eigenen Bögen gesicherte String-Zubehörteile und verbietet metallische Klemmnockpunkte.

Für beide Händigkeiten

Vertikal
Rohschaft oben oder unten führt bei Rechts- und Linkshand zur gleichen Höhentendenz; hier wird nichts gespiegelt.
Seitlich
Links-/Rechtsbefunde betreffen Spine, Button, Centershot, Torque und Ablass und werden in einem getrennten Test mit eindeutig benannter Händigkeit ausgewertet.

07 · Abnahme und Stopp

Freigegeben ist nur ein stabiler, kontaktfreier und dokumentierter Endzustand

  1. 1Markierungen vergleichen. Nockpunkt, Nocksets und D-Loop dürfen sich nach der Testserie nicht gegenüber den Referenzmarken bewegt haben.
  2. 2Nockpassung bestätigen. Mehrere Pfeile müssen gleichmäßig ein- und ausnocken; keine Nocke darf unter Auszug geklemmt oder von der Auflage angehoben werden.
  3. 3Pfeilfreiheit prüfen. Auflage, Schaft und Befiederung auf Kontakt kontrollieren. Ein vermeintlich hoher oder niedriger Nockpunkt kann ein Clearance-Fehler sein.
  4. 4Gruppen wiederholen. Befiederte und – soweit zum System passend – mehrere unbefiederte Pfeile auf mindestens zwei sinnvollen Distanzen vergleichen. Blankbogen zusätzlich mit mehreren Praxis-Crawls kontrollieren.
  5. 5Endzustand protokollieren. Messkante, Höhe, Nockspiel, Material, Werkzeug, Resthöhe, Standhöhe/Tiller beziehungsweise Timingstatus und Prüfergebnis festhalten.
  • sofort stoppen bei beschädigter Sehne oder Mittelwicklung, gerissener Nocke, wanderndem Nockpunkt oder D-Loop;
  • nicht schießen, wenn die Nocke nicht sicher hält oder sich nur mit übermäßiger Kraft löst;
  • keine Flamme, Klinge oder Metallklemme unkontrolliert an der belasteten Sehne verwenden;
  • keinen Compound ohne passende Herstellerfreigabe pressen und keine Person vor oder neben einen belasteten Bogen stellen;
  • keine Einstellung veröffentlichen oder auf andere Bogenmodelle übertragen, solange Modell-, Nock-, Serving- und Auflagenscope offen sind.

08 · Primärquellen

Startwert, Rohschaftrichtung, Bauteilgrenzen und Compound-Sicherheit sind getrennt belegt

  1. World Archery/FITA: Coaching Manual Level 2, PDF-Seite 48, Barebow-Modul, gedruckte Seite 12: mittlerer Crawl sowie 5–6 mm über rechtwinklig ausdrücklich als Startwert für Blankbogen-Stringwalking; anschließend Recurve-Tuningmethode.
  2. Easton: Arrow Tuning and Maintenance Guide, PDF-Seite 5, „Bare Shaft Planing Test“: Rohschaft über der Gruppe → Nockpunkt anheben; Rohschaft darunter → absenken; Clearance vor Fehlinterpretation schützen und nur eine Variable ändern.
  3. Werner Beiter: Nockpunkt und Nockzubehör-Datenblatt, Seiten 1–3: Aufbau aus zwei Halbschalen, Nockbettgrößen, Markierung und Einwicklung; Material und Wickelspannung gehören zum konkreten Beiter-System.
  4. Hoyt: Compound Bow Safety and Warnings, Abschnitt zu String-Zubehör und Bogenpressen: Zubehör muss sicher befestigt sein; keine metallischen Klemmnockpunkte an Hoyt-Compoundbögen; nur freigegebene Pressen und Verfahren.
  5. Nock On Archery: Proper D-Loop Fit and Positioning: Nock-Pinch entsteht durch Sehnenwinkel und zu enges Nockbett; ein angehobener Pfeil auf der Auflage ist ein Warnzeichen. Der dort genannte persönliche Abstand ist kein Universalmaß.

Redaktionelle Grenze: Historische Easton-Startwerte und persönliche D-Loop-Abstände werden nicht als allgemeine Sollwerte übernommen. Hersteller-, Modell- und Komponentenangaben haben Vorrang.

09 · Messbeispiel

Eine Höhenangabe braucht Bezugskante, Bogenart und Prüfzustand

Beispiel für dokumentierte Nockpunkthöhe
Feld Beispiel Bedeutung
Bogen/Ablass Blankbogen, RH, mediterraner Fingerablass, mittlerer Crawl grenzt die Aussage auf diesen Stringwalking-Zustand ein
Bezug T-Gauge auf definierter Auflagen-/Schaftlinie; Oberkante des unteren Nocksets verhindert Verwechslung von Ober-/Unterkante und Werkzeuganlage
Startwert 6 mm über rechtwinklig liegt im 5–6-mm-Startbereich des zitierten FITA/WA-Barebow-Moduls, nicht universell
Rohschaftbild Rohschäfte über drei Serien höher als befiederte Gruppe nach Clearanceprüfung Nockpunkt klein anheben
Endprüfung mittlerer Crawl plus kurze/lange übliche Crawls, Gruppen und Kontakt Stringwalking benötigt einen sicheren Kompromiss, keinen Ein-Distanz-Wert

Beim olympischen Recurve gilt dieselbe Messdisziplin, aber nicht automatisch derselbe Startwert. Beim Compound bilden oberes und unteres Nockset, D-Loop, reale Nocke und Sehnenwinkel gemeinsam das Nockbett. Zeigt die Nocke im gesicherten Vollauszug Klemmen oder hebt der Pfeil von der Auflage ab, wird nicht durch eine Höhenänderung weitergetunt: zuerst Nock-Pinch und D-Loop-System fachgerecht lösen.

Was nicht verglichen werden darf

  • Werte mit unterschiedlicher Bezugskante oder anderem T-Gauge-Anlagepunkt;
  • Blankbogenwerte mit verschiedenem Crawl;
  • Compoundwerte vor und nach D-Loop-/Nocksetwechsel ohne neue Basis;
  • Rohschaft-Höhenlage bei ungeklärtem Auflagen- oder Befiederungskontakt.

Weiterführend: Rohschafttest, D-Loop, Pfeilfreiheit und Tiller. Primärquellen und Links zuletzt am 27.09.2026 geprüft.

CompoundNation-Praxistutorial

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