ATA-Messbezug · Zuggewicht · Let-off · sichere Messung
Auszugslänge und Zuggewicht richtig bestimmen
Auszugslänge und Zuggewicht beschreiben unterschiedliche Eigenschaften, beeinflussen aber gemeinsam Passform, Kontrolle, Pfeilauswahl und Abstimmung. Verlässliche Werte entstehen nicht aus Körpergrößenformeln, sondern aus einem definierten Messbezug, dem realen Schießsystem und einer sicheren Messung in reproduzierbarer Haltung.
- Auszugslänge
- ATA-Wert mit festem Messbezug, nicht die sichtbare Entfernung bis zur Hand
- Zuggewicht
- reale Kraft am individuellen Auszug, nicht automatisch der Wurfarmaufdruck
- Stoppregel
- nie ohne Pfeil trocken lösen und nie über Herstellergrenzen ausziehen
01 · Eine Zahl braucht ihren Bezug
Auszug, Pfeillänge und Kraftwerte nicht vermischen
Die ATA-Auszugslänge ist ein standardisierter Gerätewert. Die persönliche Auszugssituation entsteht dagegen aus Haltung, Bogenhand, Anker, Finger- oder Release-System, D-Loop, Sehnenwinkel und dem eingestellten Bogen. Die Pfeillänge besitzt wiederum einen eigenen Messbezug. Diese Werte können zusammenhängen, sind aber nicht austauschbar.
Beim Zuggewicht muss ebenfalls benannt werden, was gemessen wird: das Gewicht auf den Fingern bei Recurve oder Blankbogen, das maximale Zuggewicht eines Compoundbogens, das Haltegewicht im Tal oder ein nomineller Wurfarmwert unter Hersteller-Referenzbedingungen. Ohne diesen Zusatz ist „40 Pfund“ unvollständig.
| Wert | Bedeutung | Messbezug | Nicht gleichsetzen mit |
|---|---|---|---|
| ATA-Auszugslänge | standardisierte Bogen-/Setupangabe | Pivotpunkt plus definierter ATA-Zuschlag | Pfeillänge oder Armspanne |
| reale Ankerlage | individuelle Position im Schussablauf | Hand, Gesicht, Sehne, Release/Tab | reiner Modulaufdruck |
| Peak Weight | höchste Kraft im Compound-Zugzyklus | Waagenmaximum während kontrolliertem Auszug | Haltegewicht |
| Holding Weight | Kraft bei vollem Compoundauszug | Tal/Wall bei korrektem Vollauszug | Peak Weight oder Let-off-Prozent |
| auf den Fingern | reale Recurve-/Blankbogenkraft | individuelle Auszugslänge und komplettes Setup | Wurfarmbeschriftung |
02 · Standard statt Augenmaß
ATA-Auszugslänge wird am Pivotpunkt referenziert
Nach der von Herstellern verwendeten ATA-Methode wird zunächst die Strecke von der Nockposition der Sehne bis zum Pivotpunkt beziehungsweise tiefsten Punkt der Griffkehle in Vollauszug bestimmt. Dazu kommt der definierte Zuschlag von 1¾ Zoll. Hoyt beschreibt alternativ die Bezugslinie zum Zentrum der Berger-/Restbohrung plus denselben Zuschlag. Nur wenn Messpunkt und Zuschlag genannt sind, ist der Wert vergleichbar.
Der Zollstock an der Außenseite, die Entfernung bis zur Vorderkante des Mittelteils oder die Länge bis zur Releasehand sind keine ATA-Messung. Ein Messpfeil kann die Bestimmung erleichtern, muss aber richtig skaliert, für den Bogen geeignet und sicher geführt sein.
03 · Standardwert trifft Schießtechnik
Die reale Passform wird in sauberer Haltung beurteilt
Ein passender Auszug erlaubt einen stabilen, wiederholbaren Anker und eine ausgeglichene Kraftlinie, ohne dass Kopf, Schulter, Hüfte oder Bogenarm zum Erreichen der Wall- oder Clickerposition ausweichen. World Archery nennt Rücklage des Körpers als mögliches Zeichen eines zu langen Auszugs und empfiehlt für Anfänger einen leichten, kontrollierbaren Bogen.
Beim Compound verändern D-Loop-Länge, Releasebauart und -länge sowie Handposition das Gefühl und die Lage der Zughand, ohne die ATA-Messdefinition zu ersetzen. Das Modul beziehungsweise Cam-System legt den mechanischen Bereich fest; Draw Stops prägen Wall und gegebenenfalls Tal. Eine D-Loop-Änderung ist daher kein beliebiger Ersatz für eine falsche Modullänge.
- 1Grundsetup bestätigen. Modell, Cam, Modul, Stops, Sehne, D-Loop, Release/Tab und Pfeil passen und sind sicher montiert.
- 2Leicht beginnen. Ein kontrollierbares Zuggewicht wählen, damit Haltung und Anker nicht durch Kraft kompensiert werden.
- 3Schießposition einnehmen. Stand, Bogenhand, Schulterlinie, Kopf und Zughand wie im realen Schussablauf setzen.
- 4Anker und Kraftlinie prüfen. Keine Rücklage, kein vorgeschobener Kopf, keine überstreckte Schulter und kein erzwungenes Handgelenk.
- 5Mehrere Wiederholungen beobachten. Passform nicht aus einer maximalen Einzelbewegung ableiten; saubere Serien und Ermüdung mitbewerten.
- 6Nur freigegeben verstellen. Modul, Cam oder Stop nach Herstelleranleitung beziehungsweise durch den Fachbetrieb ändern und alle Sicherungen kontrollieren.
04 · Aufdruck ist eine Referenz
Recurvegewicht, Peak Weight und Haltegewicht getrennt erfassen
Recurve- und Blankbogenwurfarme sind unter definierten Herstellerbedingungen beschriftet, häufig bei 28 Zoll ATA-Auszug und einer bestimmten Mittelteillänge beziehungsweise Tillerbolzenstellung. Uukha beschreibt beispielsweise je nach Serie unterschiedliche Referenzmittelteile und Bolzenstellungen. Die reale Kraft auf den Fingern ändert sich mit Auszugslänge, Mittelteilgeometrie, Wurfarmposition und Setup; sie muss am individuellen Auszug gemessen werden.
Beim Compound steigt die Kraft über den Zugzyklus bis zum Peak Weight und fällt durch die Cam-Geometrie in das Tal. Das Holding Weight ist die Kraft bei vollem Auszug. Let-off beschreibt das Verhältnis zwischen Peak und Haltegewicht, ist aber ohne Messmethode und konkrete Cam-/Stopkonfiguration kein eigenständiger Ersatzwert.
| Bogentyp/Wert | Praxisbezug | Wofür verwenden | Fehler vermeiden |
|---|---|---|---|
| Recurve auf den Fingern | Kraft am realen Anker | Pfeilauswahl, Training, Setupvergleich | nicht nur Wurfarmaufdruck übernehmen |
| Blankbogen auf den Fingern | Kraft bei reproduzierbarer Auszugslänge | Pfeilauswahl und Kontrolle | Stringwalking nicht als andere Auszugslänge missdeuten |
| Compound Peak | höchster Waagenwert im Zugweg | Herstellerbereich, Pfeilchart, Kontrolle | nicht mit Holding Weight verwechseln |
| Compound Holding | Kraft an Wall/Tal | Haltegefühl und Let-off-Prüfung | nicht als Zuggewicht für Pfeilauswahl einsetzen |
| nomineller Aufdruck | Herstellerreferenz | Identifikation und Ausgangspunkt | nicht als gemessenen Istwert ausgeben |
05 · Waage ist Teil des Schusssystems
Zuggewicht langsam, fluchtend und gesichert messen
Eine geeignete Bogenwaage muss für den erwarteten Bereich freigegeben, unbeschädigt und nach ihrer Anleitung nullgestellt sein. Last Chance Archery trennt bei seiner Waage Peak- und Holding-Wert und verlangt einen kontrollierten Vollauszug mit anschließendem Ablassen. Easton empfiehlt für die Pfeilauswahl das tatsächliche Peak- beziehungsweise Recurvegewicht am korrekten Auszug und eine dedizierte Bogenwaage oder den Fachbetrieb.
Die Messung erfolgt in sicherer Zielrichtung. Waage, Sehne oder D-Loop werden nicht seitlich belastet. Ein geeigneter Pfeil bleibt eingenockt, sofern die sichere Methode dies verlangt; niemals wird ausgelöst. Die Person zieht nur bis zur bestätigten Auszugslänge beziehungsweise Wall und lässt den Bogen kontrolliert ab.
- 1Messbereich prüfen. Waagenkapazität, Batterie, Haken/Schlaufe und Herstellerwarnungen kontrollieren; nie überlasten.
- 2Bogen sichern. Schäden, Sehne/Kabel, Nockpunkt, D-Loop, Module und Stops prüfen; Zielbereich und Pfeilfang freihalten.
- 3Messbezug festlegen. ATA-Länge, persönliche Ankerposition oder Compound-Wall klar definieren.
- 4Waage fluchtend ansetzen. Keine seitliche oder verdrehte Last auf Sehne, D-Loop oder Nocken.
- 5Langsam ausziehen. Schießhaltung halten, nicht ruckartig ziehen und Herstellergrenze nicht überschreiten.
- 6Wert erfassen. Bei Recurve den Wert am definierten Auszug; beim Compound Peak und Holding getrennt notieren.
- 7Kontrolliert ablassen. Nicht lösen, Waage nicht fallen lassen und erst danach den Wert auswerten.
- 8Wiederholen. Mehrere nahe Werte bestätigen Reproduzierbarkeit; große Abweichung bedeutet Mess- oder Setupprüfung.
- keine Gepäck- oder improvisierte Waage ohne geeignete Bauart und Freigabe verwenden;
- Compound nicht über die Wall hinausziehen und Recurve nicht über seine zulässige Auszugslänge belasten;
- Waage nicht an scharfen Kanten, beschädigtem D-Loop oder ungeeignetem Nockpunkt einhängen;
- bei Kontrollverlust niemals loslassen – unter Aufsicht kontrolliert ablassen;
- nach jeder Modul-/Stop-/Wurfarmverstellung Befestigungen und sicheren Betriebsbereich erneut prüfen.
06 · Gleiche Größen, andere Mechanik
Compound, Recurve und Blankbogen verlangen eigene Interpretation
Compound
ATA-Auszug, Cam-/Modulbereich, Draw Stops, D-Loop und Release bilden die Passformkette. Peak und Holding Weight getrennt messen; Änderungen nur modellbezogen.
Olympischer Recurve
Reales Gewicht auf den Fingern am stabilen Anker messen. Wurfarmaufdruck, Clickerposition und Pfeillänge sind Referenzen, aber kein Ersatz für den Istwert.
Blankbogen
Konstante Auszugslänge bleibt trotz Stringwalking entscheidend. Tiller, Griff, Tabmarken und Anker beeinflussen die Ausführung, nicht die ATA-Definition.
Einsteiger/Jugend
Leichte, gut beherrschbare Ausrüstung und qualifizierte Aufsicht priorisieren. Wachstum und Technik regelmäßig neu beurteilen, ohne starre Körperformel.
Eine korrekte Auszugslänge ist keine Garantie für passende Pfeile. Pfeillänge, Spine, tatsächliches Zuggewicht, Spitzenmasse und Bogenart gehören in die jeweilige Herstellerchart. Easton warnt sinngemäß, dass falsche Längen- oder Gewichtsangaben zur falschen Schaftauswahl führen können.
Umgekehrt darf Pfeiltuning keine unpassende Auszugslänge kaschieren. Erst sichere Passform und reproduzierbare Kraftwerte herstellen, dann Center Shot, Nockpunkt, Button, Rest, Cam-Synchronisation oder Pfeilspine abstimmen.
07 · Beobachtung vor Verstellung
Passformfehler und Messfehler systematisch trennen
| Befund | Mitprüfen | Mögliche Ursache | Reaktion |
|---|---|---|---|
| Körper lehnt zurück | Stand, Schulterlinie, Anker | Auszug zu lang oder Gewicht zu hoch | Belastung reduzieren, Passform fachlich neu prüfen |
| Anker wird nicht erreicht | Release/D-Loop, Modul, Kopfposition | Auszug zu kurz oder falsche Schnittstelle | nicht durch verdrehte Haltung erzwingen |
| Clicker nur mit Zughand springt | Pfeillänge, Clickerposition, Expansion | unpassender Auszug oder zu hohes Gewicht | leichter trainieren, Setup prüfen |
| Waagenwerte streuen stark | Messweg, Nullpunkt, Haltung, Haken | ruckartiger oder seitlicher Zug | Messung abbrechen und Aufbau neu sichern |
| Compound hält unerwartet schwer | Modul, Stops, Cam, Sehne/Kabel | falsche Konfiguration oder Messpunkt | nicht weiter verstellen; Hersteller/Fachbetrieb |
| Recurvewert weicht vom Aufdruck ab | Auszug, Mittelteil, Bolzenstellung, Wurfarme | andere Herstellerreferenz oder Setup | Istwert dokumentieren, Grenzen prüfen |
- Messwert niemals aus nur einer maximalen Wiederholung ableiten;
- Passform unter kontrollierter Technik und mit identischem Setup vergleichen;
- Schrauben, Stops oder Module nach jeder Änderung auf vollständigen Sitz prüfen;
- bei Schmerz, Taubheit, Kontrollverlust oder instabiler Haltung abbrechen und fachliche Hilfe einholen;
- nach Auszugs- oder Zuggewichtsänderung Pfeillänge, Spine, Rest-/Button-Setup und Clearance erneut prüfen.
08 · Primärquellen und Geltungsgrenzen
Standard, Trainerhinweis und Modellanleitung getrennt verwenden
- Archery Trade Association: Technical Guidelines: offizieller Rahmen für branchenweit konsistente Messbegriffe und Spezifikationen.
- Hoyt: Compound Bow Owner’s Manual: ATA-Auszugsmessung, Modularten, Zubehör- und Fachhändlergrenzen.
- Hoyt: Manuals: aktuelle und historische modellbezogene Recurve-/Compoundhandbücher.
- World Archery: Coaching Library: offizielle Trainerhandbücher und Ausbildungsrahmen.
- World Archery: Coaching Manual Level 1: Passformindikatoren, leichte Trainingsbögen und kontrollierte Haltung.
- World Archery: Coach Kim Hyung Tak: korrekte Auszugslänge, kontrollierbares Zuggewicht, Clicker und Expansion.
- World Archery: Draw-weight Question: Kontrolle und schrittweiser Aufbau statt pauschaler hoher Zuggewichte.
- Uukha: FAQ: herstellerspezifische Referenzen für Wurfarmgewicht, Mittelteillänge und Bolzenstellung.
- Last Chance Archery: Bow Scale 3.0: Peak-/Holding-Messung und Waagenbedienung.
- PSE Archery: Product Support: Modellhandbücher, Zuglängen-/Zuggewichtstabellen und technischer Support.
Weiterlesen: Cams und Module, Spine und Pfeilauswahl, Pfeilschäfte ablängen und Bogeninspektion und Sicherheitscheck.