Cam-System · Modul · Draw Stop · sichere Passform

Cams, Module und Auszugseinstellung am Compoundbogen

Cams formen den Kraftverlauf eines Compoundbogens und bestimmen zusammen mit Sehne, Kabeln, Modulen und Anschlägen Auszugslänge, Tal, Let-off und Rückwand. Die richtige Einstellung beginnt deshalb nicht mit einer freien Zahl am Modul, sondern mit der eindeutigen Identifikation von Bogenmodell, Baujahr, Cam, Modul, Handlage und Herstellerunterlage.

System zuerst
Cam-, Modul- und Stop-Bezeichnung exakt zum Modell und Jahrgang abgleichen
Auszug messen
ATA-Maß, tatsächliche Passform und D-Loop-Länge getrennt dokumentieren
Stoppregel
fehlender Stop, loses Modul, beschädigte Cam oder unklare Pressvorgabe: nicht ausziehen

01 · Begriffe beschreiben Lastpfade

Single, Dual, Hybrid und Binary sind Systemfamilien – keine Teilefreigabe

World Archery beschreibt den Compoundbogen allgemein als System, bei dem Rollen oder Cams den Kraftverlauf mechanisch verändern. Die verbreiteten Cam-Bezeichnungen ordnen, wie viele arbeitende Exzenter vorhanden sind und wie Sehne und Kabel ihre Rotation koppeln. Hersteller setzen diese Prinzipien jedoch unterschiedlich um; ein Marketingname ersetzt weder Teileliste noch Handbuch.

Die Anzahl sichtbarer Scheiben genügt nicht zur Identifikation. Eine runde Umlenkrolle kann einem arbeitenden Power-Cam gegenüberstehen, zwei Cams können symmetrisch oder unterschiedlich ausgeführt sein, und Kabelpfade können zwei Cams direkt oder über Buss-/Control-Kabel koordinieren. Deshalb werden Teile immer über Modell, Jahrgang, Cam-Aufdruck, Handlage und Chart bestimmt.

Single-Cam

Ein arbeitender Power-Cam steht einer Umlenkrolle oder einem Idler gegenüber. Mathews/Mission nennt „Solocam“ als eigenes System. Weniger klassische Synchronisationspunkte bedeuten nicht, dass Camlage, Sehne, Kabel oder Modul beliebig sind.

Dual-/Twin-Cam

Zwei arbeitende Cams formen den Auszug. Sie müssen zum System passend koordiniert sein; gleiche Optik garantiert weder gleiche Camgröße noch gleiche Modulposition oder korrekte Rotation.

Hybrid / Cam & 1/2

Obere und untere Einheit sind über Control- und Buss-Kabel funktional gekoppelt. Hoyt dokumentiert dafür modell- und generationsabhängige Cam-&-1/2-Verfahren sowie definierte Referenz- oder Performance-Marken.

Binary

Zwei Cams sind über die Kabelrotation direkt aufeinander bezogen. Bowtech beschreibt sein System als zwei gekoppelte, symmetrische Cams; Module, Stops und Kabelkonfiguration bleiben trotzdem modellspezifisch.

02 · Auszug wird an mehreren Stellen definiert

Cam, Modul und Anschlag erfüllen getrennte Aufgaben

Cam-Grundkörper

Nutführung, Exzentrizität, Befestigungspunkte und Rotationsweg prägen Kraftkurve und Sehnen-/Kabelpfad. Camgröße, Ober-/Unterseite und Rechts-/Linkshand können getrennte Teile sein.

Drehmodul

Ein auf der Cam verschraubtes Segment wird auf eine markierte Position gedreht. Ob die Einstellung pressenfrei ist und welche Schrauben gelöst oder entfernt werden dürfen, steht ausschließlich im Modellhandbuch.

Wechselmodul

Für eine andere Auszugslänge oder Leistungsstufe wird ein passendes Modul eingesetzt. Teilenummer, Camgröße, Handlage, Ober-/Untercam, Let-off-Ausführung und Schraubensatz müssen exakt stimmen.

Auszugsspezifische Cam

Bei manchen Systemen erfordert eine andere Auszugslänge eine andere Cam oder Camgröße. Ein Modul oder eine veränderte Sehnenlänge darf diese Konstruktion nicht improvisiert ersetzen.

Draw Stop

Begrenzt den vorgesehenen Rotationsweg. Ein Stop kann gegen Wurfarm oder Kabel laufen; einzelne Systeme verwenden mehrere Kontaktpunkte oder kombinieren Limb- und Cable-Stop.

Modulschrauben

Sind sicherheitsrelevante Befestiger. Nur vorgesehene Länge, Position, Drehmoment und gegebenenfalls vom Hersteller verlangte Schraubensicherung verwenden; nicht überdrehen oder ersetzen.

Bowtech dokumentiert sowohl drehbare Module als auch historische cam-spezifische Systeme. Hoyt unterscheidet drehbare und austauschbare Module sowie auszugsspezifische Cams. Damit ist eine zentrale Regel belegt: Selbst beim selben Hersteller kann die zulässige Einstellmethode zwischen Modellen und Generationen grundlegend wechseln.

03 · Nennmaß, Bogenmaß und Passform

Auszugslänge korrekt messen und auf den Schützen abstimmen

Hoyt beschreibt die ATA-Standardauszugslänge als Abstand vom Nockpunkt der Sehne bis zur senkrechten Linie durch den Pivotpunkt des Griffs plus 1¾ Zoll. Dieses standardisierte Bogenmaß ist nicht identisch mit der Länge eines Pfeils, dem Abstand bis zur Vorderkante des Mittelteils oder einer Körperformel.

Die Nennposition eines Moduls ist ein Startpunkt. Fertigungstoleranzen, tatsächliche Sehnen-/Kabellängen, Rotation und Zubehör können den fühlbaren Vollauszug beeinflussen. Die D-Loop-Länge verändert die Entfernung der Release-Hand zur Sehne und damit den Anker, gehört aber nicht zum ATA-Maß des Bogens. Deshalb werden Bogenmaß, D-Loop und Körperpassform getrennt beurteilt.

Vier Ebenen statt einer einzigen Auszugszahl
Ebene Was wird erfasst? Wofür? Typischer Fehler
ATA-Bogenmaß Nockpunkt bis Pivotlinie plus 1¾ Zoll standardisierte Herstellerangabe mit Pfeillänge oder D-Loop verwechseln
Modulposition Cam-/Modulnummer und Index laut Chart mechanische Grundeinstellung Zahl zwischen Modellen übertragen
D-Loop Abstand für Release-Anbindung Anker und Handposition Bogen zu lang lassen und nur Loop verkürzen
Passform Schulter, Ellbogen, Kopf, Anker und Drucklinie reproduzierbarer, kontrollierter Vollauszug Körperformel als Endwert übernehmen
  • Modellchart vor jeder Änderung sichern und aktuellen Cam-/Modulzustand fotografisch beziehungsweise schriftlich dokumentieren;
  • Auszug auf geeignetem Drawboard langsam bis zum vorgesehenen Anschlag messen, nicht über die Rückwand ziehen;
  • bei Dual-, Hybrid- oder Binary-Systemen obere und untere Vorgabe getrennt lesen und nur wie vorgeschrieben gleichsetzen;
  • nach jeder zulässigen Änderung Modulschrauben, Stopposition, Freigang und Vollauszug erneut kontrollieren;
  • erst nach korrektem Bogenmaß D-Loop, Peep und Release-Anker fein abstimmen.

04 · Haltegewicht ist nicht Talgröße

Let-off, Valley und Back Wall getrennt verstehen

Let-off bezeichnet die prozentuale Reduktion vom Spitzenzuggewicht zum Haltegewicht im Vollauszug. World Archery ordnet Let-off als Cam-Eigenschaft ein. Der Wert sagt aber nicht allein, wie breit das Tal ist oder wie hart die Rückwand wirkt. Camgeometrie, Modul und Anschlag bestimmen gemeinsam, wann die Last abfällt und wo die Rotation endet.

Ein Limb Stop berührt typischerweise den Wurfarm und kann eine sehr direkte Rückwand erzeugen. Ein Cable Stop läuft gegen ein Kabel und kann sich anders anfühlen. Elite dokumentiert bei einem konkreten Modell beide Optionen; Hoyt beschreibt bei einzelnen Systemen das abgestimmte Zusammentreffen von Limb- und Cable-Stop. Daraus folgt keine pauschale Rangfolge, sondern eine Modellentscheidung.

Let-off

Verhältnis zwischen Peak- und Haltegewicht nach Herstellerdefinition. Nur freigegebene Modul-/Stopkombination verwenden; Regelwerk und konkrete Disziplin zusätzlich prüfen.

Valley

Bereich nahe Vollauszug, in dem die Haltekraft reduziert ist. „Kurz“ oder „lang“ beschreibt das Verhalten, ist aber kein genormtes Universalmaß.

Limb Stop

Anschlag am Wurfarm. Position und Orientierung verändern Rotationsende und können Auszug, Tal und Let-off beeinflussen; nie über den erlaubten Bereich hinaus verschieben.

Cable Stop

Anschlag am vorgesehenen Kabel. Falsche Position kann Kabelkontakt, Überrotation oder unzulässigen Let-off erzeugen; nur nach Chart einstellen.

05 · Identifizieren, sichern, erst dann verstellen

Die sichere Einstellreihenfolge verhindert Teile- und Timingfehler

  1. 1Bogen identifizieren. Hersteller, Modell, Baujahr, Seriennummer, Handlage, Cam-Bezeichnung und vorhandene Teile erfassen; passende Owner Manual-, Tune- und Draw-Length-Charts öffnen.
  2. 2Zustand prüfen. Camkanten und -nuten, Achsen, Lager, E-Clips, Module, Stops, Schrauben, Sehne, Kabel und Wicklungen bei gutem Licht kontrollieren. Bei Schaden nicht ausziehen.
  3. 3Istzustand dokumentieren. Ober-/Untercam, Modulkennung, Indexposition, Stoploch und -orientierung, Sehnen-/Kabellage sowie vorhandene Referenzmarken notieren.
  4. 4Teilezuordnung belegen. Gewünschtes ATA-Auszugmaß im exakten Chart nachschlagen. Modul, Camgröße, Position, Stop und Schrauben vollständig abgleichen; keine optisch ähnlichen Teile einsetzen.
  5. 5Pressbedarf klären. Wenn das Handbuch die konkrete Arbeit nicht ausdrücklich ohne Presse freigibt, geeignete Herstellerpresse/Adapter und Fachservice verwenden. Niemals unter Last Schrauben lösen.
  6. 6Module einstellen. Herstellerreihenfolge befolgen; bei zwei Cams beide Seiten nach Chart setzen. Schrauben vollständig und mit dem vorgegebenen Verfahren sichern.
  7. 7Stops zuordnen. Vorgeschriebene Position, Farbe, Orientierung und Ober-/Unterseite setzen. Ein Stop wird nicht entfernt, um mehr Auszug oder Let-off zu erzwingen.
  8. 8Langsam prüfen. Auf geeignetem Drawboard kontrolliert ausziehen, Freigang beobachten und vor Überrotation abbrechen. ATA-Auszug, Stopkontakt und Camlage dokumentieren.
  9. 9Systemfolge abschließen. Erst danach Timing/Synchronisation, Peak- und Haltegewicht, D-Loop, Peep, sichere Pfeillänge und Auflage prüfen; pro Durchgang nur eine Variable ändern.

06 · Auszug und Synchronisation sind gekoppelt

Modulposition ist Voraussetzung – Timing bleibt eine eigene Prüfung

Bei Systemen mit zwei arbeitenden oder funktional gekoppelten Cams müssen die vorgesehenen Anschläge beziehungsweise Referenzpunkte in der Herstellerreihenfolge zusammenpassen. Bear beschreibt für seine konkrete EKO-Cam identische Modul- und Stop-Einstellungen oben und unten sowie gleichzeitigen Anschlagkontakt. Das ist ein modellspezifischer Beleg, keine pauschale Anleitung für fremde Cams.

Eine Auszugsänderung kann Stoplage, Let-off und die Beurteilung des Vollauszugs verändern. Umgekehrt können gesetzte oder veränderte Sehnen/Kabel das reale Bogenmaß und die Camlage verschieben. Deshalb wird zuerst die richtige Teile- und Modulkonfiguration hergestellt, danach Timing beziehungsweise Synchronisation nach der exakten Modellreferenz geprüft.

Auszugseinstellung ist eine Kette – kein einzelnes Modul-Loch
Prüfkette von der Modellidentität bis zur PassformFünf Kästen zeigen Modell und Cam, passendes Modul, Draw Stop, kontrollierten Vollauszug sowie Timing und Passform. Eine rote Stopplinie weist bei fehlender Freigabe oder auffälligem Kontakt zum Abbruch.Modell &CamModul &PositionDraw Stop &SchraubenkontrollierterVollauszugTiming &Passformfehlende Freigabe · falsches Teil · harter Kontakt → STOPP

07 · Symptome auf die richtige Ebene zurückführen

Typische Fehlerbilder, Verschleiß und sichere Reaktion

Fehlerbilder nicht durch weitere Verstellung überdecken
Symptom Zuerst prüfen Mögliche Ebene Sichere Reaktion
Auszug passt trotz Chart nicht Camgröße, Modulkennung, Position, ATA-Messung, Sehnen-/Kabellänge Teilezuordnung oder Systemmaß nicht über Stop erzwingen; Modellkonfiguration fachkundig abgleichen
Rückwand unterschiedlich Stoppositionen, Schrauben, Kontaktfolge, Timing Modul/Stop oder Synchronisation kontrolliert am Drawboard prüfen; bei Kabelarbeit Fachservice
Cam rollt zu weit fehlender/falscher Stop, falsches Modul, lose Schraube Sicherheitskritische Überrotation sofort ablassen, nicht erneut ausziehen, Hersteller/Service
Schleifen oder Kerbe Nut, Wicklung, Kabelkontakt, Spacer/Achse Ausrichtung oder Bauteilschaden Bogen außer Betrieb; Ursache vor Ersatz der Sehne beheben
Klicken oder Spiel Modul, Stop, Achse, Lager, E-Clip und Schrauben lose/verschlissene Verbindung nicht nach Gefühl weiterziehen oder überziehen; qualifiziert prüfen
Let-off unerwartet Modulausführung, Stoporientierung, Peak-/Haltegewicht, Timing falsche Kombination oder Messfehler Originalchart wiederherstellen; keine fremden Module/Stops
  • verbogene, gerissene oder scharfkantige Cam, beschädigte Nut oder fehlende Achssicherung: Bogen nicht ausziehen;
  • Modul- oder Stopbohrung mit beschädigtem Gewinde, fehlender Schraube oder improvisierter Unterlage nicht verwenden;
  • einseitiger Servingabrieb ist ein Kontakt- oder Ausrichtungsbefund und wird nicht nur mit neuer Wicklung verdeckt;
  • nach Leerschuss, Entgleisung oder Stoß den vollständigen Bogen einschließlich Achsen, Lager, Wurfarme, Sehne und Kabel prüfen lassen;
  • Schraubensicherung, Drehmoment und Ersatzteile nur verwenden, wenn der konkrete Hersteller sie für diese Stelle vorgibt.

08 · Primärquellen und Geltungsgrenzen

Das exakte Modellhandbuch schlägt jede allgemeine Erklärung

  1. World Archery: Compound Equipment: Grundfunktion von Cam-/Kabelsystem, mechanischem Vollauszug und Let-off.
  2. Hoyt: Glossary: ATA-Standardauszugslänge als Pivotpunktmaß plus 1¾ Zoll.
  3. Hoyt: Draw Length Charts: modell-, Cam-, Modul- und positionsbezogene Auszugstabellen.
  4. Hoyt: Manuals: jahrgangs- und modellspezifische Verfahren für drehbare, austauschbare und auszugsspezifische Cam-/Modulsysteme.
  5. Hoyt: Compound Safety and Warnings: Sicherheitsgrenzen für Cams, Achsen, E-Clips, Auszug und Arbeiten unter Vorspannung.
  6. Bowtech: Technology: Herstellerbeschreibung von Binary-Cam, drehbaren Modulen und modellspezifischen Einstellsystemen.
  7. Bowtech: Specialist II Owner Manual: konkretes Beispiel für Modul-/Stopzuordnung; nur für das bezeichnete Modell.
  8. Bear Archery: EKO Cam Setup: konkretes Beispiel für identische Modul-/Stoppositionen und gleichzeitigen Anschlag; nicht übertragbar.
  9. Mathews/Mission: Stryde Solocam: aktuelles Herstellerbeispiel eines Single-Cam-Systems mit drehbarem Modul.
  10. Elite Archery: REZULT Technical Overview: konkretes Modellbeispiel mit Cable- und Limb-Stop-Option.
  11. Darton Archery: Manuals: herstellerspezifische DualSync- und Compound-Unterlagen als weitere Systemabgrenzung.

Weiterlesen: Compoundbogen – System und Sicherheit, Cam-Timing und Synchronisation, Peep Sight und D-Loop, Bogensehnen und Mittelwicklung und Pfeile und Pfeilbau.

Offizielle Herstellervideos als Praxisbeispiele

Die Videos ergänzen die Anleitung mit konkreten Herstellerbeispielen. Maßgeblich bleiben die technischen Angaben, Sicherheitsgrenzen und Arbeitsschritte im Text. Das jeweilige Video wird erst nach deiner Zustimmung von YouTube geladen.

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