Tuning · Seitliche Pfeilposition · Kraft- und Sehnenlinie
Centershot einstellen: Pfeilposition sicher messen und systemgerecht abstimmen
Centershot beschreibt die seitliche Ausgangslage des Pfeils relativ zur Kraft- beziehungsweise Sehnenlinie. Ein brauchbarer Wert benötigt immer eine benannte Messreferenz, den konkreten Bogen, die Auflagen- oder Buttongeometrie und den Pfeildurchmesser. Compound, olympischer Recurve und Blankbogen beginnen nicht automatisch an derselben Position und werden mit unterschiedlichen Verfahren bestätigt.
- Messung
- Referenz, Blickachse, Schaftmitte und Ausgangswert dokumentieren
- Grundregel
- Herstellerbasis zuerst; nur eine kleine Änderung je Test
- Stopp
- bei Kontakt, lockerer Auflage, Cam-/Wurfarmfehler oder Pressenbedarf
01 · Referenz vor Zahl
Centershot ist eine definierte Lage – nicht einfach die optische Mitte
Ein Zahlenwert ist nur verständlich, wenn der Messweg benannt ist. Das historische Hoyt-Compound-Handbuch von 2012 misst vom Bergerloch zur Mitte des Pfeilschafts und nennt ungefähr 13/16 Zoll ausdrücklich als Ausgangspunkt. Die aktuelle Mathews-FAQ nennt 13/16 Zoll ±1/16 Zoll für Mathews-Bögen. Beide Aussagen bleiben an Hersteller und Dokumentumfang gebunden; sie sind kein markenübergreifender Standard.
Bei Fingerbögen wird häufig optisch entlang der mittig ausgerichteten Sehne geprüft. Schaftdurchmesser, Pfeilauflage und Plunger bestimmen, wie weit die Pfeilspitze als Startpunkt außerhalb der Sehnenlinie erscheint. Centershot ist nicht identisch mit Visiermitte, Mittelteilkante oder der bloßen Position des Bergerlochs.
02 · Drei getrennte Systeme
Compound, olympischer Recurve und Blankbogen benötigen eigene Start- und Prüfregeln
03 · Messaufbau
Parallaxe, schiefer Pfeil und falsche Bezugslinie zuerst ausschließen
- modellbezogenes Manual oder Tune-Chart bereitlegen; Jahrgang, Cam-System, Restaufnahme und Messdefinition notieren;
- Auflagenhöhe und Nockpunkt in einer stabilen Ausgangslage sichern; ein schief liegender Pfeil verfälscht die Seitenansicht;
- Compound-Cams und Sehnenlauf, bei Recurve Wurfarmflucht und Tiller auf offensichtliche Abweichungen prüfen;
- Bogen lotrecht und spannungsfrei halten; Kamera oder Beobachter exakt in die Sehnenebene bringen;
- geraden Referenzpfeil verwenden und Schaftdurchmesser, Spitzenbreite, Rest-/Buttonmodell sowie Händigkeit dokumentieren;
- Pfeilfreiheit vor der Feinabstimmung mit Markiermittel bestätigen; Kabel-, Mittelteil-, Rest- oder Federkontakt beendet den Test.
04 · Reproduzierbarer Ablauf
Werksbasis setzen, Freigang belegen und erst danach fein abstimmen
- 1System identifizieren. Bogen, Jahrgang, Cam beziehungsweise Wurfarm, Rest-/Buttonmodell, Pfeil und Händigkeit festhalten.
- 2Referenz wählen. Compound nur nach Herstellerdefinition messen; Fingerbogen über mittige Sehnen-/Wurfarmflucht und dokumentiertes Frontbild.
- 3Ausgangslage setzen. Rest oder Button in die konkrete Werksbasis bringen, Befestigungen sichern und Position markieren. Historische Hoyt- und aktuelle Mathews-Werte nur auf ihren eigenen Scope anwenden.
- 4Mechanik kontrollieren. Pfeil liegt waagerecht zur vorgesehenen Restgeometrie, Schaftmitte trifft beim Fingerbogen die Plungermitte, alle Bauteile laufen frei.
- 5Erste Gruppe schießen. Saubere Schüsse mit identischen Pfeilen; Kontakt, Griff-Torque, Wind und Kantung protokollieren.
- 6Systemtest wählen. Compound mit Herstellerhierarchie, Papier und Walk-back; Recurve/Blankbogen mit Rohschaft und Gruppenbild. Vertikale Abstimmung vorher klären.
- 7Nur eine kleine Änderung. Rest beziehungsweise Buttonposition minimal und messbar ändern. Federkraft, Visier, Cam-Lateralposition oder Pfeilsystem während derselben Serie nicht zusätzlich verändern.
- 8Grenze erkennen. Benötigt der Compound eine auffällig große Restabweichung, zur sicheren Werksbasis zurückkehren und Timing, Torque, Clearance sowie modellbezogene Cam-/Spacerverfahren prüfen lassen.
- 9Praxis bestätigen. Walk-back beziehungsweise Rohschaft und befiederte Gruppen auf mindestens zwei Distanzen wiederholen; Blankbogen zusätzlich über mehrere Crawls.
05 · Ursache vor Korrektur
Ein seitlicher Befund kann aus Messung, Technik, Kontakt oder Mechanik stammen
Links-/Rechtsrichtungen werden nur mit eindeutig genannter Händigkeit ausgewertet. Bei Linkshand spiegeln sich seitliche Fingerbogenbefunde; Compound-Verfahren richten sich nach der konkreten Herstellerunterlage.
| Beobachtung | Zuerst prüfen | Mögliche Ursache | Begrenzter Test | Bestätigung |
|---|---|---|---|---|
| Fotos zeigen wechselnde Lage | Kameraachse, Lot, gleiche Referenz | Parallaxe statt echter Änderung | Aufbau neu ausrichten | zwei reproduzierbare Frontbilder |
| Compound braucht große Restabweichung | Torque, Kontakt, Timing, Cam-Lateralposition | Systemfehler statt Restproblem | zur Werksbasis zurück | Herstellerverfahren / Fachbetrieb |
| Recurve-Spitze stark außerhalb | Buttonlänge, Schaftdurchmesser, Auflage | falsche mechanische Basis | Buttonposition klein korrigieren | Clearance plus Rohschaftgruppe |
| Walk-back driftet | Wind, Kantung, Visierachse, Torque | Center oder Zielsystem | windstill wiederholen, dann minimal ändern | gerade Gruppenlinie |
| Kontakt nach Centeränderung | Kabel, Mittelteil, Rest, Befiederung | Freigang verloren | nicht weiterschießen; Basis wiederherstellen | vollständige Clearance-Prüfung |
06 · Systembezogene Grenzen
Restposition ist nur einer von mehreren möglichen Reglern
Compound-Rest
- Zweck
- Pfeil in die modellbezogene Ausgangslage des String-/Power-Path bringen.
- Grenze
- Große Abweichungen nicht zur Kompensation von Torque, Timing oder Cam-Lateralfehlern verwenden.
Compound-System
- Zweck
- Herstellerabhängige Yoke-, Shim-, Spacer- oder Pocket-Hierarchie einhalten.
- Grenze
- Pressen- und Cam-Arbeit nur mit passender Freigabe, Werkzeug und Fachkenntnis.
Recurve-Button
- Zweck
- Seitliche Ausgangslage über Einschraubtiefe/Center-Slider setzen; Federkraft getrennt abstimmen.
- Grenze
- Schaftdurchmesser und Auflagengeometrie mitdenken; RH/LH-Spiegelung beachten.
Blankbogen
- Zweck
- Stabiler Kompromiss über kurze, mittlere und tiefe Praxis-Crawls.
- Grenze
- Nicht eine Distanz auf Kosten des restlichen Crawl-Bereichs überoptimieren.
07 · Abnahme und Stopp
Freigegeben ist nur eine feste, kontaktfreie und dokumentierte Endlage
- 1Befestigungen prüfen. Rest, Button, Launcher und alle Center-Versteller bleiben nach der Serie an ihren Markierungen.
- 2Messung wiederholen. Derselbe Aufbau liefert denselben Centerwert beziehungsweise dasselbe Sehnenbild.
- 3Pfeilfreiheit bestätigen. Keine harten Spuren an Kabeln, Mittelteil, Rest oder Befiederung; ausreichender Freigang auch unter realer Schussbelastung.
- 4Gruppen bestätigen. Papier/Walk-back beim Compound oder Rohschaft/befiederte Gruppen beim Fingerbogen auf mindestens zwei Distanzen wiederholen.
- 5Endzustand dokumentieren. Messreferenz, Wert, Schaftdurchmesser, Rest-/Buttonmodell, Fotoachse, Systemstatus und Testergebnis festhalten.
- sofort stoppen bei sichtbarer Cam-, Achs-, Wurfarm- oder Restaufnahmeschädigung;
- nicht weiterschießen, wenn Pfeil, Launcher oder Befiederung an Kabeln, Mittelteil oder Rest anschlagen;
- keine Presse und keine Cam-/Yoke-/Spacerarbeit ohne modellgerechtes Verfahren;
- keinen historischen oder fremden Herstellerwert als allgemeines Sollmaß übernehmen;
- keine Änderung freigeben, die nur einen Einzelpfeil verbessert, aber Gruppen oder Sicherheit verschlechtert.
08 · Primärquellen
Messdefinition, Herstellerbereich und Fingerbogen-Basis sind getrennt belegt
- Hoyt: 2012 Compound Owner’s Manual, PDF-Seite 5, gedruckte Seite 7: Centershot als Ausrichtung zum Power-Path; ungefähr 13/16 Zoll vom Bergerloch zur Schaftmitte ausdrücklich nur als Ausgangspunkt.
- Mathews: FAQ – Technical, „What is the suggested center shot for my Mathews Bow?“: 13/16 Zoll ±1/16 Zoll als Mathews-eigener Bereich; Tuning und Cam-Lean über autorisierte Händler.
- PSE: Compound Bow Tune Charts: Werksspezifikationen werden nach Jahr und Modell geladen; ein generischer Wert ersetzt den konkreten Tune-Chart nicht.
- Shibuya: Rest/Plunger Manuals and FAQ: Schaftmitte zur Plungermitte, Center-Slider und optische RH-Startlage; LH gespiegelt und produktbezogen.
- Easton: Arrow Tuning and Maintenance Guide: Clearance, Rohschaft- und Walk-back-Verfahren sowie Ein-Variablen-Regel.
Redaktionelle Grenze: 13/16 Zoll ist kein universeller Centershot für alle Compoundbögen. Ebenso ist „leicht außerhalb“ beim Recurve ohne Schaftdurchmesser, Händigkeit und konkrete Auflagen-/Buttongeometrie kein vollständiger Einstellwert.
09 · Umrechnung und Praxis
Zollwerte werden exakt umgerechnet, aber nicht markenübergreifend übertragen
Ein Zoll entspricht 25,4 mm. Daraus folgen 13/16 Zoll = 20,6375 mm und 1/16 Zoll = 1,5875 mm. Gerundet für ein geeignetes Messmittel sind das 20,64 mm und 1,59 mm. Die Rechnung macht den Wert nachvollziehbar; sie macht ihn nicht universell.
| Quelle/System | Angabe | Metrische Darstellung | Verwendung |
|---|---|---|---|
| Hoyt 2012 Compound Manual | ungefähr 13/16 Zoll | ungefähr 20,64 mm | historischer Hoyt-Ausgangspunkt, danach Tuning |
| Mathews FAQ | 13/16 Zoll ±1/16 Zoll | 19,05 bis 22,23 mm | Mathews-eigener Bereich, nicht für andere Marken |
| Shibuya Recurve | RH-Spitze etwa eine halbe Schaftbreite links der Sehne | abhängig vom realen Schaftdurchmesser | optische Produktbasis; LH gespiegelt |
Gemessen wird beim Compound stets von genau dem im Manual bezeichneten Bezug zur Schaftmitte, nicht zur Außenkante. Ein Messschieberwert zur Schaftkante muss daher um den halben Außendurchmesser korrigiert werden. Beispiel: 17,3 mm bis zur nahen Schaftkante plus 3,2 mm Radius eines 6,4-mm-Schafts ergeben 20,5 mm bis zur Schaftmitte.
Warum gleiche Millimeterwerte verschieden fliegen können
Power-Path, Cam-Lateralposition, Kabelabweiser, Auflage, Pfeildurchmesser, Torque und Händigkeit verändern den Kontext. Deshalb folgt auf die Werksbasis immer Pfeilfreiheit, reproduzierbarer Seitentest und Gruppe; ein einzelner Messwert rechtfertigt keine Cam-/Spacer-/Yoke-Arbeit.
Weiterführend: Pfeilauflage, Button/Plunger, Walk-back-Tuning und Pfeilfreiheit. Herstellerquellen und Links zuletzt am 27.09.2026 geprüft.