Bauform · Kompatibilität · sichere Passung

Nocken auswählen und korrekt anpassen

Die Nocke verbindet Pfeil und Sehne. Sie muss gleichzeitig zum Schaft- oder Pinsystem, zur Mittelwicklung und zur Bogenart passen. Eine sichere Auswahl beginnt deshalb nicht bei Farbe oder Gewicht, sondern bei der exakten Herstellerzuordnung und einer Funktionsprüfung am vollständigen Pfeil.

Vier Bauformen
Insert-, Pin-, Out- und Overnock nach Herstellerbezeichnung und Anschlusssystem unterscheiden
Zwei Passungen
Schaftaufnahme und Nockbett zur Mittelwicklung getrennt prüfen
Stoppregel
Riss, Weißbruch, Kerbe, lockerer Sitz oder unklare Kompatibilität: Pfeil nicht schießen

01 · Anschluss am Pfeilende

Insert-, Pin-, Out- und Overnock sind keine austauschbaren Namen

Insert-Nocke

Der Schaft der Nocke sitzt im Pfeilrohr oder in einer dafür vorgesehenen UNI-Buchse. Innenmaß, Buchse, Einstecktiefe und Herstellerfreigabe müssen zusammenpassen.

Pin-Nocke

Die Nocke wird auf einen separaten Pin gesteckt. Der Pin schützt das Schaftende bei Folgetreffern, ist aber selbst auf Kerben, Biegung und exakten Nockensitz zu prüfen.

Outnock

Die Nocke greift über den Außendurchmesser des Schafts. Beiter führt „Out-Nocks“ als eigene Produktfamilie mit schaftexakten Größen; der Außendurchmesser allein ersetzt die Herstellerzuordnung nicht.

Overnock

Easton verwendet „Overnock“ für eine außen über das Schaftende greifende Bauform. Das Funktionsprinzip ähnelt einer Outnock, doch Bezeichnung, Geometrie und Freigabe bleiben herstellerspezifisch.

02 · System statt Einzelmaß

Modell, Aufnahme und Nockbett als vollständige Kombination auswählen

Die erste Zuordnung erfolgt über den exakten Pfeilschaft einschließlich Spine, Generation und gegebenenfalls Bushing oder Pin. Hersteller-Suchsysteme wie die Beiter Nock Search führen dafür Nocktyp, Nockbettgröße, Außendurchmesser und passende Schäfte zusammen. Bei Bohning unterscheiden sich selbst Nocken mit gleicher Schaftaufnahme durch das Nockbett.

Ein nomineller Schaft-Innendurchmesser genügt nicht, wenn der Hersteller ein bestimmtes Bushing, eine eigene Pin-Geometrie oder eine andere Einstecktiefe vorsieht. Umgekehrt sagt eine passende Schaftaufnahme noch nichts darüber aus, ob das Nockbett sicher auf die vorhandene Mittelwicklung passt.

Die vier Nachweise vor der Montage
Prüfebene Benötigter Nachweis Nicht ausreichend Ergebnis
Pfeilschaft exaktes Modell, Spine und Generation nur „4 mm“, „6 mm“ oder „Standard“ richtige Nockenfamilie
Aufnahme Insert, Bushing, Pin, Out- oder Over-System laut Hersteller optisch ähnlicher Zapfen richtiger Anschluss
Nockbett Herstellergröße beziehungsweise konkreter Throat-Wert Farbe oder Produktname allein passender Größenkandidat
Mittelwicklung Funktionsprüfung mit fertiger Sehne unter Herstellergrenzen pauschale Garn- oder Strangzahl sichere reale Passung

03 · Verbindung zur Sehne

Das Nockbett muss halten, lösen und seitlich frei arbeiten

Zu locker

Die Nocke hält den Pfeil nicht zuverlässig an der Mittelwicklung oder trennt sich bereits durch Eigengewicht und leichte Bewegung. Nicht mit Klebstoff, Wärme oder verformten Backen „retten“.

Zu stramm

Übermäßige Klemmung kann das Lösen verändern, die Nocke belasten und bei Fingerablass besonders empfindlich wirken. Eine größere Herstellergröße oder eine passende Mittelwicklung wählen.

Seitlich geklemmt

Zu enge obere und untere Nockpunktbegrenzer können die Nocke bei Vollauszug einklemmen. Abstand und Funktion nach Nockpunkt-Anleitung kontrollieren.

Richtig zugeordnet

Die Nocke rastet reproduzierbar ein, hält in der vorgesehenen Orientierung und löst im herstellerkonformen Test ohne Verkanten oder Beschädigung.

Easton beschreibt als allgemeinen Praxistest: Der Pfeil soll senkrecht an der Sehne hängen können und sich durch einen leichten Schlag auf die Sehne in etwa fünf bis sechs Zentimetern Abstand von der Nocke lösen. Dieser Test ist ein Easton-Hinweis und keine Erlaubnis, abweichende Vorgaben eines konkreten Nockenherstellers zu übergehen.

  • Nockbettgröße immer am exakten Nockenmodell ablesen, nicht aus Bogenart oder Sehnenfarbe ableiten;
  • keine pauschale Mittelwicklungs-, Garn- oder Strangzahl als garantierte Passung verwenden;
  • bei Wechsel der Nockencharge oder Mittelwicklung die Passung jedes Pfeils erneut prüfen;
  • ungleiche Rastkraft innerhalb eines Pfeilsatzes als Fehler behandeln, nicht als normale Toleranz;
  • Nockpunktbegrenzer und D-Loop dürfen die Nocke nicht seitlich einklemmen.

04 · Dokumentieren und funktional prüfen

Maße grenzen Kandidaten ein – der sichere Funktionstest entscheidet

  1. 1Schaft identifizieren. Marke, Serie, Spine, Baujahr/Generation und vorhandenes Bushing oder Pinsystem notieren.
  2. 2Herstellerzuordnung öffnen. Nockenfamilie und Aufnahme ausschließlich aus aktueller Schaft- oder Nockentabelle übernehmen.
  3. 3Nockbettvariante bestimmen. Small, Large, #1, #2, #3 oder konkrete Throat-Größe nur innerhalb derselben Produktfamilie vergleichen.
  4. 4Aufnahme trocken prüfen. Nocke mit freigegebenem Werkzeug und Verfahren montieren. Sie muss vollständig, konzentrisch und ohne Riss oder bleibendes Spiel sitzen.
  5. 5Sehnenpassung prüfen. Jeden fertigen Pfeil einnocken, Rastung, Haltefunktion und kontrolliertes Lösen nach Herstellerhinweis vergleichen.
  6. 6Seitenspiel prüfen. Nocke darf zwischen Nockpunktbegrenzern nicht eingeklemmt werden; Vollauszug nur sicher und bei Bedarf fachkundig kontrollieren.
  7. 7Pfeilsatz vergleichen. Alle Nocken müssen gleich orientiert sein und sich gleichartig ein- und ausnocken lassen.
  8. 8Endstand protokollieren. Hersteller, Modell, Größe, Farbe/Charge, Aufnahme, Werkzeug und Prüfdatum festhalten.

05 · Ohne Gewalt und ohne Improvisation

Nocke montieren, ausrichten und den vollständigen Pfeil abnehmen

  1. 1Arbeitsplatz sichern. Bogen ablegen, Pfeil reinigen und Schaftende, Bushing oder Pin bei gutem Licht prüfen.
  2. 2Nur freigegebenes Werkzeug verwenden. Nockwerkzeug an der vorgesehenen Fläche ansetzen; nicht mit Zange, Seitenschneider oder Zähnen greifen.
  3. 3Herstellerverfahren befolgen. Presssitz, Wachs, Band, Klebung oder Trockenmontage niemals zwischen Marken übertragen. Bohning nennt Wachs nur für bestimmte aktuelle Modelle; Easton warnt bei Polycarbonatnocken vor lösemittelhaltigen Klebstoffen.
  4. 4Vollständig setzen. Keine Lücke, Schräglage, Spannungsmarke oder Verformung akzeptieren. Bei ungewöhnlich hoher Kraft stoppen und Zuordnung erneut prüfen.
  5. 5Index ausrichten. Erhabene oder vertiefte Indexmarke nach Herstellerangabe zur Leitfeder beziehungsweise zur vorgesehenen Blatt-/Auflagenfreiheit ausrichten.
  6. 6Rundlauf und Freigang prüfen. Pfeil rollen beziehungsweise in geeigneter Prüfvorrichtung kontrollieren; Nocke darf nicht sichtbar eiern oder an Auflage, Kabeln oder Mittelteil Kontakt verursachen.
  7. 7Passung an der Sehne prüfen. Jeden Pfeil einzeln testen; identischer Artikelname ersetzt die Funktionskontrolle nicht.
  8. 8Nachkontrolle durchführen. Nach den ersten kontrollierten Schüssen erneut auf Sitz, Drehung, Riss, Kerbe und veränderte Rastkraft prüfen.

06 · Ablass und Disziplin berücksichtigen

Compound, olympischer Recurve und Blankbogen belasten die Verbindung unterschiedlich

Compound

Mechanischer Release und häufig kräftigere Mittelwicklungen führen oft zu dafür ausgewiesenen Nockbettvarianten. Bohning kennzeichnet konkrete 0,120-Zoll-Pin-Nocken als für größere, typischerweise am Compound verwendete Sehnen ausgelegt – kein markenübergreifender Sollwert.

Olympischer Recurve

Fingerablass und Sehnenweg machen eine gleichmäßige, nicht zu stramme Passung besonders wichtig. Bohning weist eine konkrete 0,106-Zoll-Pin-Nocke für kleinere, typischerweise am Recurve verwendete Sehnen aus; die reale Mittelwicklung bleibt zu prüfen.

Blankbogen

Auch hier erfolgt der Ablass mit den Fingern. Stringwalking verändert die Fingerposition auf der Mittelwicklung, weshalb Abrieb, Nockpunktbereich und gleichmäßige Passung aufmerksam kontrolliert werden müssen.

Wettkampf

World Archery ordnet Nocken als Bestandteil des Pfeils ein; Pfeile eines Satzes müssen unter anderem in Nockenfarbe einheitlich sein. Das aktuelle Regelwerk der konkreten Klasse und Veranstaltung hat Vorrang.

07 · Fehler vor dem Schuss erkennen

Passungsprobleme, Montagefehler und Verschleiß getrennt behandeln

Bei unklarer Ursache nicht weiterschießen. Die Nocke ist ein Verschleiß- und Sicherheitsteil; Ersatz ist günstiger als ein beschädigter Pfeil oder ein Leerschussrisiko.

Typische Nockenprobleme und sichere Reaktion
Symptom Zuerst prüfen Wahrscheinliche Ebene Sichere Reaktion Stoppgrenze
Pfeil fällt von der Sehne Nockbettmodell, Mittelwicklung, Verschleiß Sehnenpassung richtige Herstellergröße beziehungsweise passende Wicklung wählen nicht kleben oder Backen biegen
Nocke löst sehr schwer Rastung, Wicklungsdurchmesser, Nockpunktklemmen Nockbett oder seitlicher Pinch Herstellerzuordnung und Abstand neu aufbauen keine Materialbearbeitung
Nocke dreht im Schaft Aufnahme, Bushing, Einstecktiefe Schaftpassung nach Modellanleitung neu montieren oder ersetzen unklare Klebung nicht überschießen
Riss, Weißbruch oder Kerbe Nocke, Pin, Schaftende und Treffervorgeschichte Materialschaden sofort ersetzen und Nachbarbauteile prüfen Pfeil außer Betrieb
Uneinheitliche Rastkraft Charge, Verschmutzung, Wicklungsstelle Pfeilsatz oder Sehne jeden Pfeil einzeln prüfen, Ursache isolieren keine gemischte Freigabe
Kontakt an Auflage/Kabel Index, Leitfeder, Rundlauf, Centershot Ausrichtung oder Gesamtsetup Index nach Herstellerangabe setzen und Freigang erneut testen Kontakt nicht ignorieren
  • nach jedem direkten Nockentreffer und jeder harten Kollision Nocke, Pin/Bushing und Schaftende prüfen;
  • durch Lösemittel, Kraftstoff oder DEET kontaminierte Polycarbonatnocken gemäß Herstellerhinweis ersetzen;
  • beschädigte Nockpins nicht weiterverwenden – Kerben können Spannungsspitzen und Risse begünstigen;
  • keine Nocke von unklarem Modell oder unbekannter Vorgeschichte in einen belasteten Pfeilsatz übernehmen;
  • bei Klickgeräusch, sichtbarer Bewegung oder verändertem Löseverhalten sofort stoppen.

08 · Primärquellen und Pflege

Herstellerdaten entscheiden über Maße, Montage und Austausch

  • vor jeder Einheit Nockbett, Backen, Index, Schaftaufnahme und sichtbares Schaftende prüfen;
  • nach Transport, Temperaturwechsel und Trefferbelastung Sitz und Rastkraft erneut vergleichen;
  • nur trockene, saubere Komponenten verwenden und Chemikalienkontakt vermeiden;
  • Ersatznocken eindeutig beschriften und nicht mit ähnlich aussehenden Größen mischen;
  • Änderungen an Mittelwicklung, Nockpunkt oder D-Loop immer als neue Passungsprüfung behandeln.
  1. Easton: Nocks – The Vital Connection: Definition und Entwicklung von Insert-/G-, Over- und Pin-Nocken; Easton-Praxistest für Nockpassung, Abstand zum unteren Nockpunkt sowie Pflege- und Werkzeughinweise.
  2. Werner Beiter: Nock Search: modell-, Nockbett-, Durchmesser- und schaftexakte Zuordnung der Beiter-Nocken.
  3. Werner Beiter: Out-Nocks: eigenständige außen greifende Produktfamilie und schaftexakte Varianten.
  4. Werner Beiter: Nock-Datenblatt: asymmetrische Nockgeometrie, Indexierung und Beiter-Nockbettgrößen #1, #2 und #3.
  5. Bohning: Insert Nocks: konkrete Schaftaufnahmen, Nockbettmaße, Indexmerkmale und modellspezifische Montagehinweise.
  6. Bohning: Pin Nocks: modellspezifische Pinpassung, Kennzeichnungen und Nockbettvarianten für Compound und Recurve.
  7. World Archery: Equipment: Einordnung der Nocke als Bestandteil des Pfeils und Abgrenzung der anerkannten Bogenklassen.
  8. World Archery Book 3, Fassung 13.03.2026: aktuelle Zielbogenregeln zu Pfeilen, Nocken und einheitlicher Kennzeichnung.

Weiterlesen: Pfeile bauen und auswählen, Spine und Pfeilauswahl, Pfeile prüfen, Nockpunkt einstellen und Strangzahl und Nockpassung.

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