Tuning · Sehnengeometrie · Messung am ruhenden Bogen
Standhöhe prüfen und einstellen: eindeutig messen, sicher abstimmen
Die Standhöhe ist der rechtwinklige Abstand der ruhenden Sehne zu einem genau benannten Bezugspunkt am Bogen. Erst Messpunkt, Modell, Wurfarm-/Riserkombination, Sehnenmaterial und Sehnenlänge machen einen Wert brauchbar. Beim Recurve und Blankbogen kann die wirksame Sehnenlänge innerhalb der Herstellerfreigabe fein abgestimmt werden; beim Compound ist die Standhöhe vor allem eine Werks- und Diagnosegröße.
- Messung
- rechtwinklig, unbelastet und immer am selben Herstellerbezug
- Regel
- Herstellerbereich zuerst; nur eine kleine Änderung je Test
- Stopp
- bei Sehnenschaden, Tip-/Limbfehler, Compound-Abweichung oder Pressenbedarf
01 · Messbezug vor Zahl
Standhöhe ist nur mit einer definierten Bezugslinie vergleichbar
Viele Recurve-Unterlagen messen senkrecht von der Sehne zum Pivot Point, also zum tiefsten Punkt des Griffs. Andere Systeme, Lehren oder Hersteller können einen abweichenden Bezug nennen. Griffkehle, Buttonloch, Pfeilauflage und Mittelteilkante sind nicht austauschbar. Für Verlaufsmessungen gehören Bezugspunkt, Bogenmaß-Ausrichtung, Temperatur, Sehne und Zeitpunkt ins Protokoll.
Die aktuelle Hoyt-Recurve-Unterlage nennt für Formula SR, Xceed 2 und GMX 3 konkrete Bereiche nach Bogenlänge: 66 Zoll 8,25–8,75 Zoll, 68 Zoll 8,5–9,0 Zoll, 70 Zoll 8,75–9,5 Zoll und 73 Zoll 9,0–10 Zoll. Diese Werte gelten genau für die dort aufgeführten Kombinationen und sind kein Universalbereich für fremde Mittelstücke oder Wurfarme.
02 · Drei getrennte Systeme
Recurve, Blankbogen und Compound verwenden die Standhöhe unterschiedlich
03 · Reproduzierbarer Messaufbau
Sehne, Bezugspunkt und Bogenlage müssen vor jeder Änderung stabil sein
- aktuelles Manual oder Tune-Chart für Modell, Jahrgang, Riser, Wurfarmlänge und Cam-System bereitlegen;
- passendes Sehnenmaterial, nominelle Länge, Strangzahl, Endwicklungen und Nockpassung bestätigen;
- neue Sehne nach Hersteller- oder Sehnenbauerverfahren setzen lassen; Verlauf erst bei stabiler Länge bewerten;
- Recurve/Blankbogen mit Spannschnur aufspannen, beide Öhrchen vollständig in den Tipnuten kontrollieren und Wurfarme setzen;
- unbelasteten Bogen gleich lagern; rechtwinklig vom festgelegten Bezug zur Sehne messen, ohne die Sehne einzudrücken;
- Ausgangswert, Twistzahl, Tiller, Nockpunkt, Geräusch, Vibration und Clearance dokumentieren.
04 · Einstell- und Prüfablauf
Erst messen, dann in kleinen Schritten durch den freigegebenen Bereich arbeiten
- 1System erfassen. Modell, Jahr, Bogenlänge, Riser, Wurfarme oder Cam, Sehnenmaterial, Sehnenlänge, Strangzahl und Messreferenz notieren.
- 2Sicherheitszustand prüfen. Sehne, Öhrchen, Wicklungen, Tipnuten, Wurfarme, Cams, Achsen, Module und Befestigungen visuell kontrollieren.
- 3Ausgangslage setzen. Recurve/Blankbogen mit Spannschnur aufspannen und setzen; Compound unbelastet nach Tune-Chart lagern. Zweimal am selben Punkt messen.
- 4Herstellerbereich zuordnen. Nur Werte verwenden, deren Riser-/Wurfarm- oder Modell-/Cam-Kombination exakt passt. Fehlt die Freigabe, Hersteller oder Fachbetrieb fragen.
- 5Basisserie schießen. Geräusch, Vibration, Gruppenhöhe und Pfeilfreiheit mit sauber ausgeführten Schüssen dokumentieren; Blankbogen über die realen Crawls.
- 6Recurve/Blankbogen abspannen. Zum Erhöhen wenige Twists in bestehender Drehrichtung ergänzen, zum Senken wenige entnehmen. Öhrchen gegen Aufdrehen sichern. Keine feste Universal-Twistzahl verwenden.
- 7Neu setzen und nachmessen. Tipnuten prüfen, Standhöhe zweimal messen und Tiller sowie Nockpunktbezug kontrollieren. Nur diese eine Variable ändern.
- 8Wirkung bestätigen. Mehrere Gruppen auf mindestens zwei Distanzen schießen; Kontaktprüfung wiederholen. Klang und Handgefühl sind Zusatzsignale, kein alleiniger Beweis.
- 9Compound-Abweichung stoppen. Nicht an Sehne oder Kabel „auf Standhöhe“ drehen. ATA, Cam-Referenzen und Werkslängen nach definierter Messlast durch qualifizierten Service prüfen lassen.
05 · Ursache vor Korrektur
Drift, Klang und Kontakt können verschiedene Ursachen haben
Nur wiederholte Messungen unter derselben Bedingung vergleichen. Eine einzelne Zahl nach Temperaturwechsel, frisch gesetzter Sehne oder verändertem Tiller ist noch keine Diagnose.
| Beobachtung | Zuerst prüfen | Mögliche Ursache | Begrenzter Test | Abschluss |
|---|---|---|---|---|
| Wert driftet nach jeder Einheit | Messpunkt, Temperatur, neue Sehne | Setzen/Creep oder wechselnde Messung | Bezug markieren, mehrfach protokollieren | erst bei stabilem Verlauf abstimmen |
| Harter oder hoher Klang | lose Teile, Kontakt, Herstellerbereich | Mechanik oder unruhiger Arbeitsbereich | Ursachen trennen, eine kleine Twiststufe | Gruppen und Clearance bestätigen |
| Kaum Twist vorhanden | Sehnenlänge und Material | Sehne zu kurz / falscher Satz | nicht weiter untwisten | passende Sehne einsetzen |
| Sehne knotet oder federt | Twistzahl und effektive Länge | Sehne zu lang / überdreht | zur letzten sicheren Lage zurück | passende kürzere Sehne |
| Compound außerhalb Tune-Chart | ATA, Cam-Orientierung, String/Cables | Creep, falscher Satz oder Montage | nicht isoliert korrigieren | modellgerechter Fachservice |
| Blankbogen nur bei tiefem Crawl Kontakt | Tiller, Nockpunkt, Auflage, Clearance | crawlabhängige Lastverteilung | mehrere Crawls mit gleicher Basis | sicherer Gesamtkompromiss |
06 · Systembezogene Grenzen
Twist, Tiller und Sehnenmaterial verändern mehr als nur einen Messwert
Sehnenlänge und Twist
- Wirkung
- Mehr Twist verkürzt die wirksame Länge und erhöht typischerweise die Standhöhe; weniger Twist wirkt umgekehrt.
- Grenze
- Zu wenig oder zu viel Twist nicht durch Geräuschargumente rechtfertigen; passende Sehnenlänge wählen.
Material und Setzverhalten
- Wirkung
- Material, Strangzahl, Wicklungen, Temperatur und Nutzung beeinflussen Setzen, Masse und Reaktion.
- Grenze
- Neue oder geänderte Sehne erst stabilisieren; Herstellerfreigabe für Tips und Material beachten.
Tiller und Nockpunkt
- Wirkung
- Tillerschrauben verändern Geometrie und Zuggewicht; Standhöhe und Nockpunktbezug können mitwandern.
- Grenze
- Nicht gleichzeitig Tiller und Standhöhe abstimmen; nach jeder relevanten Änderung neu messen.
Geräusch und Pfeilfreiheit
- Wirkung
- Ein ruhigerer Klang kann einen günstigen Arbeitsbereich anzeigen.
- Grenze
- Klang ersetzt weder Gruppenprüfung noch Kontaktkontrolle; Herstellergrenze und sichere Clearance haben Vorrang.
07 · Abnahme und Stopp
Freigegeben ist nur ein stabiler, schadensfreier und kontaktfreier Endzustand
- 1Messung wiederholen. Zwei Messungen am markierten Bezug stimmen überein und liegen im passenden Herstellerbereich.
- 2Sehne abnehmen. Ausreichender, gleichmäßiger Twist; keine Knoten, aufgegangenen Stränge, Schäden oder wandernden Wicklungen; Öhrchen sitzen sicher.
- 3Geometrie kontrollieren. Tiller, Nockpunkt, Wurfarm-/Tip-Sitz und beim Compound ATA, Cam-Referenzen sowie Timing stimmen.
- 4Praxis bestätigen. Wiederholte Gruppen auf mindestens zwei Distanzen, keine auffällige Vibration und vollständige Pfeilfreiheit; Blankbogen über mehrere Crawls.
- 5Endzustand dokumentieren. Bezugspunkt, Wert, Twistzahl, Sehnendaten, Tiller/Nockpunkt, Wetter und Testergebnis festhalten.
- sofort stoppen bei beschädigten Strängen, Wicklungen, Öhrchen, Tips, Wurfarmen, Cams, Achsen oder Pockets;
- keinen Recurve/Blankbogen ohne geeignete Spannschnur auf- oder abspannen;
- keinen fremden Hersteller- oder Längenwert als Universalbereich übernehmen;
- keine Compoundsehne oder -kabel ohne passende Presse, Messlastdefinition und Modellverfahren bearbeiten;
- keinen angenehmen Klang akzeptieren, wenn Herstellerbereich, Gruppen oder Pfeilfreiheit dagegen sprechen.
08 · Primärquellen
Messbezug, Herstellerbereiche und Systemgrenzen sind getrennt belegt
- Hoyt: 2026 Recurve Owner’s Manual, PDF-Seiten 17 und 19: Twistwirkung, Sicherheitsgrenzen und konkrete Brace-Height-Bereiche für Formula SR, Xceed 2 und GMX 3 nach Bogenlänge.
- Hoyt: 2026 Hunting Compound Owner’s Manual, PDF-Seite 14: Standhöhe zusammen mit Cam-Orientierung, ATA und String-/Cable-Längen prüfen; definierte Messlast und geeignete Presse, Arbeit durch Genuine Hoyt Retailer.
- World Archery/FITA: Coaching Manual Level 2, PDF-Seiten 178–180 und 185–186: Herstellerbasis, kleine Twist-/Messschritte, Dokumentation, individuelle Gruppenprüfung und Grenzen ungeeigneter Sehnenlänge.
- PSE: Compound Bow Tune Charts: Brace Height wird zusammen mit Jahr, Modell, Cam, ATA und weiteren Werksspezifikationen geladen; der Einzelwert ist modellgebunden.
Redaktionelle Grenze: Auch die aktuellen Hoyt-Recurve-Werte sind nur für die dort aufgeführten Riser-/Wurfarmfamilien gültig. Für Compoundbögen ist Standhöhe eine gemeinsame Werksdiagnose mit ATA, Cam-Orientierung und String-/Cable-Satz, keine isolierte Nutzer-Tuningzahl.
09 · Messreihe
Innerhalb des Herstellerbereichs entscheidet die bestätigte Gruppe
Das Beispiel verwendet einen angenommenen, im konkreten Manual freigegebenen Bereich von 21,5 bis 22,5 cm. Er ist kein Wert für einen anderen Bogen. Gemessen wird jedes Mal mit demselben Werkzeug, Bezugspunkt und unbelasteten Bogen.
| Standhöhe | Dokumentation | Entscheidung |
|---|---|---|
| 21,5 cm | Ausgangstwists, Klang, Kontakt, drei Gruppen je Distanz | untere freigegebene Basis |
| 22,0 cm | gleicher Pfeilsatz, gleiche Distanzen, erneute Nockpunkt-/Tillermessung | nur behalten, wenn Gruppen und Pfeilfreiheit stabiler sind |
| 22,5 cm | oberes Manualende, Sehne weiterhin technisch geeignet | nicht überschreiten; schlechtere Gruppe zurückstellen |
Die leiseste Einstellung ist nicht automatisch die präziseste. Klang dient als Beobachtung, während Gruppen, Kontaktfreiheit und reproduzierbare Maße entscheiden. Erfordert der Bereich so viele oder so wenige Twists, dass die Sehne knickt, instabil wird oder außerhalb der Herstellerempfehlung liegt, ist die Sehnenlänge beziehungsweise der Sehnensatz zu prüfen.
Compound-Grenze
Beim Compound wird eine abweichende Standhöhe gemeinsam mit ATA, Cam-Orientierung, String-/Cable-Längen, Zuggewicht und definierter Messlast bewertet. Die Sehne wird nicht als isolierter Nutzerregler verdreht, um einen Einzelwert zu erzwingen. Presse, Adapter und Korrekturverfahren folgen ausschließlich dem Modellmanual und Fachservice.
Weiterführend: Tiller, Nockpunkt, Cam-Timing und Pfeilfreiheit. Herstellerbereiche und Links zuletzt am 27.09.2026 geprüft.